Book Overview

Description
How I lost my heart in Paris
Als die junge Autorin Romina in einer Schreibkrise nach Paris aufbricht, rechnet sie mit vielem – aber nicht mit Fio ... Eine queere Own-Voice-Liebesgeschichte voller Paris-Feeling und jeder Menge Herzklopfen von Lin Rina.
In einer Nacht- und Nebelaktion reist die junge Autorin Romina Ciantia nach Paris, um ihre Schreibblockade zu überwinden und in der Stadt der Liebe das Feeling ihres aktuellen Romans wiederzufinden. Stattdessen trifft sie gleich an ihrem ersten Tag auf die faszinierende Modedesignerin Fio, die bunt und voller Leichtigkeit Romina den Kopf verdreht. Bei stilvollen Vernissagen, aufregenden Mode-Events und Streifzügen durch die malerischsten Winkel von Paris kommen die beiden sich näher. Doch auch für Fio steht beruflich viel auf dem Spiel, und Romina merkt schnell, dass hinter Fios schönen grünen Augen mehr steckt, als sie zeigen möchte. Kann Romina wirklich riskieren, ihr Herz zu verlieren?
Paris im Sommer und eine queere Liebe, die das Leben auf den Kopf stellt – das erwartet euch in »You found me in Paris«. Es ist der erste New-Adult-Roman von Lin Rina, die bereits erfolgreich Romane veröffentlicht hat, darunter Animant Crumbs Staubchronik.
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Highlights & Quotes
(51)Für die Eine, die mich genau dann traf, als ich mich gefunden hatte.
Heute Nacht, in meiner Verzweiflung zwischen Schreibblockade und Chaos im Kopf, hat es wie eine fantastische Idee geklungen. Jetzt, wo ich hier bin, schwankt meine Entschlossenheit gewaltig, und ich kann nur hoffen, dass sich dieser Kurzschluss in meinem Kopf als eines meiner wenigen genialen Abenteuer herausstellt und nicht als einer meiner vielen Fehltritte.
Von dem abgasbelasteten Stuttgart in das bildgewaltige Paris zu kommen, hatte mein Leben verändert und mein Herz gestohlen.
Zum Glück muss ich nicht die Treppen nach oben. Da hätte ich den Koffer jetzt nicht mehr hochbekommen.
fühle das
Die Welt um mich herum wird immer unschärfer, verschwimmt zu Pastellfarben und schwebenden Gedanken, und es ist unmöglich, die Augen wieder zu öffnen.
»Sie heißt Amelie Mariné«, erinnere ich sie und fühle, wie mir ganz warm im Bauch wird.
Ich habe nicht vor, Amelie aufzulauern. Falls sie allerdings zufällig die Straße entlangkäme und mich erkennen würde, dann könnte ich sie auf einen Kaffee einladen, und vielleicht passiert dann ein kleines Wunder, und wir sehen uns in die Augen, und ihr Herz fliegt mir zu. Gott*, ich muss aufhören, Fan-Fictions zu lesen.
»Weil es 1889 spielt. Und auch wenn ich diese Zeit stark romantisiere, ist und bleibt es nun mal eine Zeit, in der Gleichberechtigung noch weit entfernt war.« »Dann hat sich ja nicht viel verändert.«
Ich sehe erschrocken weg und weiche in die Wohnung zurück. Es gibt eine Menge Dinge, die ich gehofft hatte, in meinem Leben nie wieder zu sehen. Und männliche Genitalien gehören definitiv ganz oben auf die Liste.
Wenn es eine Emotion schafft, sich an die Oberfläche zu wühlen, dann ist es Angst und ein gutes Stück Überforderung. Es ist zu viel, zu groß, hat das Potenzial, beschissen zu werden, und bedeutet für mich Arbeit, die ich sonst nicht hätte.
Schnell öffne ich Instagram und schaue in ihrer Story nach, ob sie ihre abendlichen Pläne mit uns teilt. Ich grinse bei dem Gedanken, auch wenn ich weiß, dass ich sicher katastrophale Gay-Panic hätte, wenn Amelie so ohne Ankündigung bei der Vernissage auftauchen würde. Aber ich kann ja davon träumen, dass ich cool und adrett genug auftreten könnte, um sie zu beeindrucken.
Meine Hände schwitzen, als eine junge Frau mit dunkelrotem Lippenstift mich nach meinem Namen fragt und mich dann auf ihrer Liste abhakt. Ihr Kopf neigt sich dabei adrett zur Seite, ihre dunklen Haare rutschen ihr von der Schulter und entblößen ihren langen schlanken Hals. Sie ist wirklich sehr hübsch, was mich noch nervöser macht.
Besser so. Denn ich bin richtig, richtig, richtig schlecht darin, mit hübschen Frauen in der Wirklichkeit zu sprechen.
ich bereue bereits, mich hierzu breitschlagen lassen zu haben. Ich hätte den Abend auch, mit einem Tee in der Hand, deprimiert auf einem Sofa liegend verbringen und mir K-Dramen ansehen können.
»Ich liebe Paris. Es ist aber nicht mein erster Besuch«, antworte ich brav und lächle, auch wenn es mich Kraft kostet. Meine soziale Batterie geht langsam gegen null, und ich würde mich lieber zu einem unsozialen Ball zusammenrollen. Außerdem hasse ich Small Talk. Es ist wie ein Spießrutenlauf, ein Halbmarathon, nur dass ich nicht mal weiß, ob ich in die richtige Richtung renne.
Nur nicht diese immer gleichen Fragen, auf die eigentlich niemand wirklich die Antwort hören will. »Wie geht’s dir?« zum Beispiel. Meine Höllenfrage. Was sagt man darauf? »Gut«, auch wenn allen klar ist, dass niemals alles nur gut sein kann und es damit eine Lüge ist? Oder packt man vor fremden Leuten sein wahres Befinden aus, und alle sind dann verschreckt von der Menge an Informationen, die es benötigt, um dem Ausdruck zu verleihen?
Scheiße«, murmle ich atemlos auf Deutsch und sehe die Frau neben mir an. Schwer zu sagen, was mir als Erstes auffällt, da ihr gesamtes Erscheinungsbild einer Sinnesexplosion gleicht. Ihre voluminöse magentafarbene Plüschjacke ist nicht zu übersehen, doch ihre glänzenden grüngelben Leggins machen dieser eindeutig Konkurrenz. Eine türkisblaue Federboa schmiegt sich um ihren Hals, betont ihre tiefpinken Lippen und führt meinen Blick direkt zu der sternförmigen Sonnenbrille, die beinahe ihr ganzes Gesicht bedeckt. »Hast du grade auf Deutsch geflucht?«, fragt die Neonfee mich ebenfalls auf Deutsch, akzentfrei, und zieht sich die Brille von der Nase. An jedem ihrer langen Finger steckt ein glitzernder Ring. »Äh, ja«, kann ich nur stottern, während mein Herzschlag sich nur ganz langsam wieder beruhigt. Sie grinst mich an, und mein Blick bleibt an ihrem rechten Mundwinkel hängen, der sich kräuselt wie süßer Blätterteig. »Sympathisch«, meint sie, zieht die Brille von der Nase und steckt sie an der Federboa fest. Ihre Gesichtszüge haben trotz all des Plüschs und der grellen Farben etwas Kantiges, Androgynes, das durch ihren schwarzen Eyeliner noch verstärkt wird. Sie ist umwerfend cool.
Ich bin keine Diva. Ich bin nur neurodivergent. Mein Gehirn läuft ein bisschen anders als das von anderen Menschen. Und manchmal bedeutet das, dass ich ganz bestimmte Bedingungen brauche, damit ich mich wohlfühle oder damit mein Gehirn auch das tut, was es soll. Sätze formulieren zum Beispiel.
»Du hast was verloren, Kleines«
red ƒlag
Ich würde gerne rufen: »Fall gelöst! Ich bin ’ne Lesbe und verknallt in meine eigene Buchfigur.« Aber ich weiß, dass es nicht so leicht ist.
Stoffe waren falsch, die Farben auch, und die Schnitte sahen aus, als hätte man sie in den 1980ern gemacht. Statt aufgeplusterter Ärmel und Unterröcke gab es Schulterpolster und eckige Schnittführung. Es war grauenhaft und hat meine Seele verletzt.
Auch wenn ich meinen Stil eigentlich ziemlich gut finde, weil er eine gute Mischung aus Vintage-Woman und Bibliothekarin ist
Ob sie mit Absicht die Farben der Bisexual-Flag trägt, kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich würde mal stark behaupten, ja.
Du trägst wohl sonst keine Haute Couture«, kommentiert sie meine Reaktion und zeigt auf einen gepolsterten Hocker, auf den ich mich dankbar sinken lasse. »Ich war mit Haute Couture noch nicht mal in einem Raum«
»Na, dann wird es mal Zeit«, freut sich Manon und reibt sich die Hände wie eine Bösewichtin, die mich gleich in ihren genialen Plan einweihen wird, mit dem sie die Stadt in die Knie zwingen wird. Ich würd’s ihr auf jeden Fall zutrauen. Und sie wahrscheinlich sogar unterstützen. Es sollte mehr coole Frauen in Machtpositionen geben. Und ich habe sowieso eine Schwäche für böse Diktatorinnen.
streiche zum sicher tausendsten Mal mit den Fingerspitzen über die schimmernden Stickereien am Rock, die sich nach Perlmutt anfühlen, zupfe den Tüll zurecht und betrachte meine Taille in dem halb durchscheinenden Korsett. Es sieht aus wie Buchenblätter, die meinen Oberkörper bedecken und immer wieder meine Haut durchscheinen lassen wie den Himmel durch ein Blätterdach. Auch das Muster hat etwas von Blattwerk, um im Rock in ein gleichmäßiges florales Muster überzugehen. Grün auf Grün, umgeben von weichem, wie von Sonnenlicht gesprenkelten Tüll, fühle ich mich wie eine Waldnymphe, eine Herrin des Waldes, eine Frau, für die Königreiche fallen würden. Ich bin davon überzeugt, dass ich mich in meinem Leben niemals so selbstbewusst und bewundernswürdig gefühlt habe wie in diesem Kleid, als ich aus der Limousine steige und wie viele andere edel gekleidete Menschen dem rosenbepflanzten Weg in den Hof einer Schlossanlage folge.
Es gibt Menschen, denen sieht man eher an, dass sie nicht straight sind. Manon mit ihren bunten Haaren und den Piercings. Fio mit ihrer androgynen Art und dem Sidecut. Man kann es vermuten, wenn man weiß, worauf man achten muss. Bei mir ist das schwieriger. Ich trage keine Regenbogen an mir, ziehe mich nicht extravagant genug an, habe einen femininen Look. Die Menschen sehen mich an, und keiner von ihnen zweifelt daran, dass ich eine junge Frau bin, die davon träumen muss, einmal einen netten Mann zu heiraten.
Wir könnten uns dann zum Kaffee treffen und uns WhatsApp-Sprachnachrichten schicken, und ich könnte meine Pinterest-Pinnwand mit ihr teilen.
gezuckerter Sahne
ich überlege wie das wohl riecht
Ich habe sie schon an dem Tag eingespeichert, an dem ich sie bekam. Nur für den Fall, dass ich sie brauche und dann die Serviette nicht wiederfinde, weil ich sie irgendwo hingelegt habe und mir ganz doll merken wollte, wo, und es deshalb sofort vergessen habe.
oder falle in Recherchelöcher auf Wikipedia. Kennst du das? Da sucht man eigentlich nur nach dem Namen eines Architekten und landet dann, ohne es zu wollen, nach dreißig Verlinkungen, beim Fall des Osmanischen Reichs. Oder bei Nullpunktenergie.
ist wie Sahnetorte essen, nur als Berührung. Süß und samtig und etwas, das ich gerne öfter machen würde.
»Du bist süß«, sagt sie, und ich verstehe nicht, wieso.
»Er ist nur ein crazy Fangirl. Darauf sollte man nichts geben. Ich bin ein Gremlin«
»Aber ein süßer Gremlin«
»Und normalerweise recherchiere ich absolut alles. Manchmal fällt mir was auf, und wenn ich es aus irgendeinem Grund nicht sofort recherchieren kann, macht mich das ganz meschugge.«
sie beschreibt mich
»Oder noch schlimmer: Ich vergesse, was ich nachschauen wollte, und dann hängt dieser unfertige Gedanke fest wie ein fehlerhafter Code, und der blockiert dann meinen ganzen Kopf für Stunden.«
»Ja, my dear. Du shippst sie nicht mehr. You are too gay to function«, denglischt Luna und dreht sich den Bleistift in die roten Locken.
»Romina?« Fio blinzelt, und ihr Grinsen gerät ins Wanken. »Tu… tu… tut mir leid«, stottere ich. »Mein Gehirn ist abgestürzt.«
Ich war’s nicht, Vit. Du hast wohl eine*n Verehrer*in da draußen. 😎😏
I <3 inclusive sprache
klingt wie Butterkaramell
was ist der klang von buttercaramel?
Nein. Aber …« Ich sehe sie wieder an, halte bewusst mein Kinn oben und meine Augen geradeaus gerichtet. »Fio, verflucht. So kann ich nicht denken.« Ich sehe zur Decke, zum Sofa, zum Kessel. »Musst du denn denken?«, erkundigt Fio sich schelmisch, und ich schenke ihr einen bösen Blick, den sie mit einem herausfordernden Zucken ihrer Augenbrauen beantwortet.
verkriechen, superscharfes Thai-Essen zu bestellen und jeden Moment des Dates Revue passieren zu lassen, jede Unterhaltung noch einmal durchgehen, jede noch so kleine Geste neu betrachten, bewerten, auseinanderpflücken, mich fragen, was wirklich dahintersteckt
Tasche, Handy, Geldbeutel, gehe ich in Gedanken meine Sachen durch, während ich mir den Träger meiner Umhängetasche mit kaputtem Verschluss über den Kopf ziehe,
its me
Irgendwo in den Tiefen meines unordentlichen Koffers habe ich Migränemedikamente, aber keine Kraft, danach zu suchen.
immer griffbereut haven
Ich schiele nicht heimlich zum LGBTQIA+-Regal und behaupte vor mir selbst, ich wäre nur ein Ally und nichts weiter.
»Dumm von mir. Ich dachte, ich hätte dich vorhin bei einer Frau stehen gesehen«
Ich Ich habe mein Buch fertig geschrieben. Luna OMG! Wie das???? Ich Hyperfocus
»Du bist süß und kreativ und schlau und wunderschön und genau das richtige Maß weird«
»Ich habe gar nichts gemacht«, verteidige ich mich, und sie sieht mich böse an. »Du existierst«
»Ich sehe explodiert aus«, sage ich und schnüre mir das ungebändigte Stroh zu einem festen Dutt zusammen. »Du siehst explosiv aus«, korrigiert Fio mich säuselnd